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NS-Finanzierung durch deutsche Großindustrie?

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Seit Anfang der dreißiger Jahre und verstärkt in der Nachkriegszeit – insbesondere bei den Nürnberger Prozessen und von den Historikern im Ostblock – wurde immer wieder behauptet, dass die deutsche Großindustrie und das Großkapital durch kräftige Finanzierung der NSDAP wesentlich zum schnellen Aufstieg Hitlers und seiner Machtübernahme 1933 beigetragen hätten. Adolf Hitler sei vom Großkapital gekauft worden, von diesem gesteuert gewesen und ihm hörig geblieben. So zeigt eine Fotomontage von Johann Herzfeld aus dem Jahre 1932 Hitler von der Seite beim Heilgruß mit nach oben geöffneter Hand, in die ein hinter ihm stehender weit größerer Mann – offensichtlich ein Vertreter der Kapitalisten – ein Bündel von 1000-Markscheinen legt. Im Bild heißt er: “Der Sinn des Hitlergrußes – Millionen stehen hinter mir. Kleiner Mann bittet um große Gabe” Bei einem der Nürnberger Nachfolgeprozesse urteilte der amerikanische Hauptankläger Telford Taylor ähnlich: “Ohne die Zusammenarbeit der deutschen Industrie und der Nazipartei hätte Hitler und seine Parteigenossen niemals die Macht in Deutschland ergreifen und festigen können, und das Dritte Reich hätte nie gewagt, die Welt in einem Krieg zu stürzen.”

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Doch diese Ansicht ist offensichtlich falsch, wie der Würzburger Geschichtsordinarius Rainer F Schmidt in einem 15seitigen Aufsatz nachwies. Die mit vielen Zahlen und Belegen vorgetragene Beweisführung kommt für die einzelnen Phasen des Aufstiegs der NSDAP zu den folgenden, die herrschende Meinung korrigierenden Ergebnissen über die Finanzierung der Partei.

In der Zeit von 1918 bis 1923 bekam die zunächst sehr finanzschwache NSDA

P vor Allem Spenden von Geldgebern aus dem persönlichen Bekanntenkreis Adolf Hitlers. Hinzu traten wenige Unterstützungen aus dem Ausland wie die von dem amerikanischen Autohersteller Henry Ford. Einige wenige mittelständische und größere Unternehmen halfen großzügig mit Sachleistungen und Finanzmitteln. “Hohe Geldspenden aus der Industrie spielten für das Wachstum der NSDAP in dieser Frühzeit also keinen Rolle”, da die Partei zu sozialistisch erschien. So habe Paul Relisch, der Generaldirektor der Gutehoffnungshütte einen um Spenden nachsuchenden Abgesandten Hitlers mit den Worten abgekanzelt: “Wir haben keine Veranlassung unsere eigenen Totengräber su unterstützen”.

Die Partei begann deswegen schon früh und mit großem Erfolg, “ihre Mitglieder und Sympathisanten zur Kasse zu bitten”. Der Erfolg war beträchtlich: “Opfergeist, nationalreligiöse Inbrunst und Hingabe unter den frühen Anhängern zahlten sich in klingender Münze aus, so dass die Spendenbereitschaft insbesondere ärmerer Leute ans “Unglaubliche grenzte”.

Zwischen 1924 und 1929 erlebte die Weimarer Republik eine gewisse Hochkonjunktur, die allerdings nur der Exportindustrie zugute kam, während der Binnenmark weitgegend stagnierte. Die Großindustriellen hatten daher wenig Veranlassung, Hitlers Partei zu unterstützen, geschweige denn zu finanzieren. Mit der Wirtschaftskrise von 1929 wurde das Spendenaufkommen seitens der Großindustrie wesentlich größer. Die Abbildung zeigt eine völlig durchrationalisierte Fertigstellungshalle bei Opel

Mitte der zwanziger Jahre.

Für die anschließende Zeit von der Neugründung der NSDAP im Februar 1925 bis zum großen Durchbruch bei der Reichstagswahl vom September 1930 stellt Schmidt ein von Juni 1926 an “etwa 18 Monate dauerndes, beständiges Werben Hitlers um die Wirtschaftsmagnaten” fest. Adolf Hitler habe dafür versucht, “die NSDAP als Bollwerk gegen eine sozialistische Unterwanderung der Gesellschaft zu verkaufen und ihr Parteiprogramm in einer industriefreundlichen Version zu präsentieren” Dennoch sei der Erfolg gering gewesen und nur auf Ausnahmefälle beschränkt geblieben: “Für die Großindustrie in ihrer Gesamtheit galt nach wie vor, dass die Janusköpfigkeit der NSDAP eine Förderung ausschloss“.

Zur Deckung ihres Finanzbedarfs ging die Partei neben den anhaltenden Appellen an die Opferbereitschaft der Mitglieder auch zu modernen Finanzierungspraktiken über, die man heute als “Merchandising” bezeichnet. Eine Reichszeugmeister wurde für alle Ausrüstungsgegenstände der SA eingerichtet. Mit mittelständischen Unternehmen wurden nationale Konzessionsverträge abgeschlossen, wonach gegen Gewinnbeteiligung Massenverbrauchsartikel verkauft wurden, wie zum Beispiel eine Rasierklinge mit dem Namen “Stürmer”, eine Margarine mit der Bezeichnung “Kampf”, oder – besonders gewinnbringend – die Zigarettenmarke “Sturm”. Dazu kamen die Erlöse bei Massenkundgebungen und vielen örtlichen Versammlungen, bei denen die NSDAP im Gegensatz zu den anderen Parteien es sich erlauben konnten Eintritt zu erheben. Letzteres machte 1930 – nach Abzug der Unkosten – im ganzen Jahr 1,7 Millionen Mark aus.

Weit größere Beiträge sind allerdings immer noch von Mitgliedern und Ortsgrupp

en aufgebracht worden, allein im August 1930 sind dies 3 Millionen Mark. “Die Zahlungen für das kommende Vierteljahr ergaben nochmal die Summe von fast 3,3 Millionen Mark.” Mit diesen selbst aufgebrachten Mitteln ausgerüstet führte die NSDAP den Wahlkampf, der ihr dann “im September 1930 den spektakulärsten Wahlsieg einfuhr, den je eine politische Gruppierung in Deutschland seit 1871 zu verzeichnen gehabt hatte”.

Dadurch war die Partei im Herbst 1930 zu einem wirklichen Machtfaktor geworden und das änderte auch etwas am Verhalten der Großindustrie ihr gegenüber. Hinzu kam zu der Zeit Brünings eine nicht gerade industriefreundliche Wirtschaftspolitik. Das bewog einige Großindustrielle zu Spenden von einigen hunderttausend Mark in der Folgezeit. Im Verhältnis zu der Unterstützung die andere Rechtsparteien wie die DNVP (Deutschenationale Volkspartei) oder die DVP (Deutsche Volkspartei) von der Großwirtschaft erhielten, waren das jedoch kleine Beträge. So spendete die deutsche Industrie noch 1932 zum zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl rund 12 Millionen Mark für Hindenburg und damit gegen Adolf Hitler.

Für die Jahre 1930 bis 1932 ergibt damit der Befund, “dass die Mittel der deutschen Großindustrie, die in diesen Jahren an die Partei Hitlers flossen, nur einen Bruchteil dessen darstellten, was man ihren Rivalen auf dem rechten Parteienspektrum zukommen ließ.”

Nach wie vor bildeten bis zur Machtübernahme 1933 die Eigenmittel die Haupteinnahmequelle der Partei.

Schmidt kommt gerne aus seinen Untersuchungen für den politischen Bereich zu dem Schluss:

“Schließlich kann auch keine Rede davon sein, dass die Vertreter der Großindustrie hinter den Kulissen die Machtergreifung Hitlers betrieben. Nach der Novemberwahl (1932) reiste Hitlers Wirtschaftsbeauftragter, Wilhelm Keppler, durch die Industriegebiete an Rhein und Ruhr und ermunterte alles, was in Wirtschaft- und Finanzkreisen Rang und Namen hatte, sich in eine Liste einzuschreiben, die Hindenburg beweisen sollte, dass die Wirtschaft geschlossen hinter Hitler stünde. Das Ergebnis war enttäuschend: Es waren nur neunzehn Unterschriften zusammengekommen, und unter den Unterzeichnern waren nur wenige Prominente.”

Als Ergebnis für die letzten Jahre vor 1933 ergibt sich aus der Schmidt’schen Untersuchung:

“Die finanziellen Subsidien, die die NSDAP seitens der deutschen Großindustrie vor allem in den Jahren 1931/32 erhielt, als die Partei zum Machtfaktor der deutschen Politik wurde, fielen weder für den Aufstieg zum Massenphänomen noch für die Ereignisse im Jahr 1933 entscheidend ins Gewicht.”

Bedeutsam war dagegen offenbar was heute gern verdrängt wird, was nur aus der

damaligen Zeit zu verstehen und für Nachgeborene schwer verständlich ist, was aber die damalige Wirklichkeit wiedergibt und womit Schmidt seinen auch sonst zeitgeschichtlich sehr interessanten Artikel anschließt:

“Die nationalsozialistischen Wähler wurden nicht gekauft, sie wurden überzeugt. Hitlers Kapital steckte nicht in der Börse der Industriemagnaten, sondern in den Herzen der Menschen. Nicht die Macht der Millionäre war der entscheidende Faktor, sondern die Macht der Millionen.”

Durch Großveranstaltungen, insbesondere Wahlkundgebungen wie hier in Frankfurt am Main gelang der NSDAP im Jahr 1932 der entscheidende Durchbruch. Die Eigenmittel bildeten die Haupteinnahmequelle der Partei.

Quelle: The New Stuermer

 

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3 Kommentare

3 Comments

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